
„Mut, Schweiß und Tränen“ – eine Werkschau der Theaterkurse der Klassenstufen 9, 10 und 12
Schon über eine Woche lang haben die ankündigenden Plakate für Irritation gesorgt: Ein blutendes Herz, nur notdürftige verbunden und auf weißem Frottee drapiert bildete das zentrale Motiv. Denjenigen aber, die am 16. Dezember in der Aula der FNS dabei waren, erschloss sich die Logik des Motivs: Man sagt ja über Leute, die nach Zweifel eine Entscheidung treffen, dass sie sich „ein Herz fassen“. Den Auftakt machte der Gestalten Kurs der 10. Jahrgangsstufe, der sich mit dem Themenkomplex „Mut“ auseinandergesetzt hatte. Hier bildeten vor allem szenische Umsetzungen lyrischer Umsetzungen das Gerüst der Produktion. Stimmgewaltig wurde dieser Teil vor allem durch die Nutzung chorischer Elemente.

Den zweiten Teil bestritt der Kurs des Faches Darstellendes Spiel aus der 12. Jahrgangsstufe: Dieser hatte sich entschlossen, der Ambivalenz des Erfolgsbegriffs auf die Spur zu kommen. Neben autobiografischen Ansätzen zum Thema, dem Erfolgsdruck, der unterschiedlichen Chancengerechtigkeit und der Verlockung, es als Influencer schnell und einfach zu etwas zu bringen, wurde auch mythologischer Stoff der Antike (Pygmalion, Tantalos) verhandelt. Das Herz der Spielerinnen kam spätestens im Finale der Produktion in Wallung, als sich alle in Fitnessübungen abmühten und schließlich nach immenser Temposteigerung zusammenbrachen.

Das Finale bestritt der Gestaltenkurs der 9. Jahrgangsstufe, der mit zwanzig Spielerinnen und Spielern die Bühne an ihre Kapazitätsgrenze brachte. In diesem Teil stand das Herz für die Liebe. Ausgehend von kindlicher, familiärer Liebe wurde auch die Frage gestellt, ob Heimatliebe legitim sei. Der Kaperung des Begriffs durch Neu-rechte wurde der schmerzhafter Heimatverlust Geflüchteter gegenübergestellt, vorgetragen in vielen verschiedenen Muttersprachen dieses Kurses. In fast überladender Bühnenausstattung wurde dann eine Liebesgeschichte erzählt, ohne dabei kitschig zu sein. Das elementare Erleben des ersten Liebesgeständnisses, des ersten Kusses, der ersten Enttäuschung wurden geschickt metaphorisch bebildert präsentiert, ehe im großen Finale der verflossenen Liebe feierlich der Stinkefinger gezeigt wurde, verbunden mit dem Schwur, sie dennoch immer im Herzen zu behalten.

Zurück blieben:
- über vierzig stolze Schülerinnen und Schüler, die noch am Morgen gedacht haben, das würde alle nichts werden;
- zufrieden applaudierende Zuschauerinnen und Zuschauer;
- zwanzig nasse Handtücher, eingeweichte Lebkuchenherzen, über 40 Liter Wasser auf der Bühne;
- und eine Spielleitung, die endlich wieder von anderen Dingen träumen kann.
Bericht: Thore Witthöft (Dez. 2025)
